Herz Jesu

In seinem Märchen "Die Schneekönigin" erzählt Hans Christian Andersen von einem Spaß, den sich der Teufel ausgedacht hatte: Er hatte einen Spiegel erfunden, der die scheußliche Eigenschaft besaß, alles, was schön war, häßlich zu machen und das Häßliche schön, das Große klein und das Kleine groß. Kurzum der Spiegel verzerrte in diabolischer Weise alles. Mit diesem Spiegel spielten Kobolde, dabei fiel er ihnen aus der Hand und zerbrach in viele kleine Splitter. Und jeder dieser Splitter hatte die gleiche Wirkung; sobald ein Splitter in das Herz eines Menschen fiel, konnte dieser nur noch böse und mißgünstig auf das Leben schauen und sein Herz wurde kalt.

Ein Märchen mit einem wahren Kern. Gibt es nicht Menschen, bei denen uns ein Gefühl der Kälte beschleicht, wenn man mit ihnen zu tun hat? Hat man nicht manchmal das Gefühl, bei Reden und Informationen wird mit sachlichem Ton die Wirklichkeit verdreht. Desinformation nennt man das in der Politik, gezielte Propaganda, die von Bekämpfung von Terroristen spricht und in Wirklichkeit Vertreibung, Zerstörung, Vergewaltigung und Unrecht meint. Ist nicht in manche Menschen dieser teuflische Splitter, von dem das Märchen erzählt eingedrungen?
Nicht einmal vor Kinderherzen macht dieser teuflische Splitter halt. Da berichten Kindergärtnerinnen von Kindern im Kindergarten, die miteinander spielen und aus einmal wird aus dem Spiel, bitterer Ernst, da gibt es keine Hemmungen mehr. Was Fernsehen, Video und Internet in die herzen der Kinder gepflanzt haben an Gewalt wird bittere Wirklichkeit, Auf Kindergartenplätzen und auf Schulhöfen, wo man sich alles mögliche einfallen lassen muß, damit die Kinder nicht übereinander herfallen. Ja die teuflischen Splitter führen dazu, daß in den USA Kinder und Jugendliche ganze Klassen leer schießen. Die Saat der Gewalt geht auf über den Weg der Nachahmung, was die Bilder vorführen, führen Kinder aus. Alles nur Einzelerscheinungen oder die Folge von irregeleiteten Herzen?

Wir feiern das Herz Jesu fest: Wir feiern einen Menschen, in den der Teufelssplitter nicht eingedrungen ist, obwohl er auch an ihm vorbei flog, wie die Erzählungen von den Versuchungen Jesu belegen. Jesus hat sein Herz bewahrt vor den teuflischen Bazillus der Gewalt und vor der Kälte des Egoismus. er hat sich, wie die Evangelien nicht müde werden, zu erzählen, sogar auf die Suche gemacht nach den Verlorenen, nach den kalt gewordenen n nach den Verhärteten. Er will unser eigenes Herz immer wieder von allen Verhärtungen, Erstarrungen und sklerotischen Ablagerungen der teuflischen Splitter reinigen: "Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und mancherlei Lasten zu tragen habt“

Der Philosoph und Mathematiker Blaise Pascal warnt schon im 17. Jahrhundert vor einer Welt, die alles durchrationalisiert und das Herz nicht mehr gelten läßt. Eine Welt der Kälte und der Unmenschlichkeit, eine Welt der Teufelssplitter. Wie oft hat man die Vernunft gegen das Herz ausgespielt. Aber eine Vernunft, die meint ohne das Herz auskommen zu können, führt die Menschen in eine teuflische weit und nicht zum Leben. Das Herz hat Gründe, die der Verstand nicht kennt, sagt Blaisse Pascal. Erst die Herzensbildung macht den Menschen zum Menschen und verbindet ihn mit der göttlichen kraft der Liebe. Ohne die kraft des Herzens wird unsere Welt kalt und starr. Immun gegen die teuflischen Splitter der Gewalt, des Hasses, der Gleichgültigkeit und der Herzenskälte macht uns allein die Liebe, für die das Herz ein Bild ist. Herz Jesu Verehrung mag eine zeitgebundene Frömmigkeitsform sein. Ihr tieferer Keim bleibt zeitlos und wird heute mehr denn je zu einer Aufgabe in einer Zeit, wo die teuflischen Splitter nicht nur in die Herzen von Diktatoren eingedrungen sind, sondern als die Versuchung uns alle bedrohen.

Theo Wolf